Neues vom Calliope mini: Grenzen und Möglichkeiten – ein Erfahrungsbericht aus einer Grundschule in NRW

„Wir können damit etwas hacken!“ äußerte sich ein Kind zu den Möglichkeiten des Calliope mini.

Die Macher des Calliope mini, einem Microcontroller für den Einsatz in Schulen, werben mit dem Leitspruch: „Hacken, basteln, coden: deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!“ Doch stimmt das wirklich?

→ Das hängt von der Programmierumgebung ab. In der Umgebung von calliope.cc sind Erfolge und Grenzen schnell erreicht. Auf open-roberta.org sind sowohl Möglichkeiten als auch Irrwege größer. „Hacken“ bedeutet in diesem Zusammenhang das Erschaffen von technischer Kunst, das Verstehen von technischen Hintergründen und das verantwortungsbewusste Coden. Die aus den Medien bekannte bösartige Konnotation des Begriffs „hacken“ ist hier also nicht gemeint.

Was kann man mit dem Calliope mini machen?
Man kann beispielsweise die 25 LED-Panels, das LED-Licht oder den Lautsprecher beim Calliope mini programmieren. Von unterschiedlichen Texten wie „Hallo calliope.cc“, „UnicornPower“ oder „Ich will Kekse und WLAN!“ über verschiedene Bilder (Herz, Smiley, Blitz…) bis zu zahlreichen Farbeinstellungen des LED-Lichts ist in der kostenfreien browserbasierten Kinderprogrammierumgebung auf miniedit.calliope.cc vieles möglich.

Etwas mehr z. B. die zusätzliche Komposition eigener Melodien, die Konstruktion eines Zahlen-Zufallsgenerators oder eines Taschenrechners ist in der freien Programmierumgebung des Fraunhofer-Instituts auf lab.open-roberta.org möglich.

Wo miniedit.calliope.cc wenige, aber dafür schnelle Erfolge garantiert, ist lab.open-roberta.org ein Spielraum für mehr Entfaltung und Kreativität der Entwickler.innen der Zukunft. Aufgrund der höheren Komplexität können sich aber auch die Misserfolgserlebnisse häufen.

Für die nachhaltige MINT-Förderung an Schulen können Lehrkräfte mit Coding-Interesse (von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II) an den gendergerechten Roberta-Schulungen in den RobertaRegioZentren in ganz Deutschland teilnehmen. Google ist zwar Geldgeber von open-roberta.org, beeinflusst jedoch nicht die Inhalte des Schulungskonzepts.

Was berichtet die Presse über den Calliope mini?
In der ZEIT wird der Calliope mini im Jahr 2016 als „[d]ie vielleicht größte Umwälzung des deutschen Schulsystems“ bezeichnet. Laut der Zeitung WELT könne er sogar das „Schulsystem revolutionieren“. In einem Interview zwischen ZEIT ONLINE und der Co-Initiatorin Gesche Joost stellt sich im November 2017 heraus, dass 16.000 Calliope minis bereits verteilt und 25.000 produziert wurden. „Das Saarland ist am weitesten. […] Zu den letzten, die schwerer zu überzeugen sind, gehören beispielsweise Baden-Württemberg und Brandenburg.“

Ist der Einsatz des Calliope mini in der Grundschule realistisch?
Der wünschenswerte flächendeckende Einsatz von Calliope mini im Regelunterricht der Grundschule bleibt vorerst eine Utopie. Solche freiwilligen Vorhaben stehen und fallen immer mit dem Interesse und den Kompetenzen der verantwortlichen Lehrkraft. Wer Ahnung von Computern und Informatik hat, geht normalerweise nicht in die Grundschule. Fehlendes Interesse, zu große Klassen, fehlende Finanzierung der Calliope minis, marode und unzureichende technische Infrastruktur und keine upgedateten Browser können dieses unterstützenswerte Vorhaben auch in der Zukunft scheitern lassen. In einer Computer-AG mit einer begrenzten Anzahl an Kindern ist das Projekt schon realistischer. Pilotprojekte oder Modellversuche wie hier an der Robinson Schule in Hattersheim in Hessen zeigen auf, dass es dennoch möglich ist und sich der Aufwand lohnt.

Unterstützung erhalten die Beteiligten auch durch das kindgerechte und ansprechende Arbeitsheft, welches als OER-Material unter der Lizenz CC-BY-SA-4.0 steht und somit für alle frei nutzbar ist:

Abend, M., Gramowski, K., Pelz, L. & Poloczek, B. (2017) Coden mit dem Calliope mini – Programmieren in der Grundschule. Schülermaterial ab Klasse 3. Berlin: Cornelsen.

Datenschutzaktivist.innen könnten protestieren: Es ist nicht alles aus Gold, was glänzt!
Datenschutzsensible Menschen könnten durch Sponsoren wie Google bedenklich gestimmt werden. Am Fall Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich […], wie verwoben Calliope mit dem dichten Netzwerk von Google ist. Die Fortbildungen für Lehrkräfte sind verpflichtend. Das hebelt den Lehrplan aus, in dem von Programmieren nicht die Rede ist. René Scheppler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) beobachtet das schon länger und sieht darin „einen großen Masterplan, wie Google die digitale Bildung an sich reißt“.

Hinzu kommt, dass beim browserbasierten Programmieren Metadaten anfallen, die vom Hersteller eingesehen werden können.
Auf miniedit.calliope.cc werden anfallenden Daten durch Google Analytics an Google weitergeleitet (Mehr dazu: https://calliope.cc/impressum).
Auf lab.open-roberta.org werden anfallende Daten unter Beachtung der geltenden datenschutzrechtlichen Bestimmungen weder veröffentlicht noch an Dritte weitergegeben. Zur Optimierung und zwecks Systemsicherheit werden Cookies gespeichert, jedoch funktioniert die Umgebung auch ohne Aktivierung der Cookies. Außerdem werden vom Fraunhofer Institut die folgenden Informationen gespeichert: IP-Adresse der Nutzer, Datum und Uhrzeit des Seitenaufrufs, ungefährer geografischer Aufenthaltsort, verwendeter Browser und URL der zuvor besuchten Seite (Mehr dazu: https://www.roberta-home.de/datenschutz/).

Fazit: Schließlich stellt sich die Idee, mit Kindern zu programmieren, als positiv heraus. Auch wenn Lehrkräfte höchstwahrscheinlich einige Hürden überwinden müssen, so sind die Aha-Effekte und die Freude der Kinder diesen Aufwand wert. Die Probleme hinsichtlich Google und Datenschutz sollten optimiert werden.

Danksagung: Für das Coding-Projekt lag ein Calliope mini Bausatz vor. Der Dank für das Sponsoring des Calliope mini geht an den gemeinnützigen Verein Digitalcourage e. V., ohne den dieses Projekt nie hätte stattfinden können.

Ähnlicher Beitrag:
Erfolg garantiert: Dank Bausatz können alle Menschen mit dem Lötkolben Kunst erschaffen
https://nachtigaeller.wordpress.com/2017/07/06/erfolg-garantiert-dank-bausatz-koennen-alle-menschen-mit-dem-loetkolben-kunst-erschaffen/

Quellen und weiterführende Links:
Hauptseite von Calliope mini
https://calliope.cc/
Hauptseite von Open Roberta (Fraunhofer-Institut)
https://www.roberta-home.de/
FAQs von Open Roberta (Fraunhofer-Institut)
https://www.roberta-home.de/transparenz/faq-zur-roberta-initiative/
Tobias Hübner über den Calliope mini
https://medienistik.wordpress.com/2017/01/02/dichtung-und-wahrheit-ist-der-hype-um-den-calliope-mini-gerechtfertigt/
Blog der Calliope gGmbH
https://calliopemini.wordpress.com/
https://calliopemini.wordpress.com/2017/11/17/unser-blumenstrauss-zum-1-geburtstag/
Heise Online: Calliope mini für Schulen: Geschenk oder Lobbyismus
https://www.heise.de/newsticker/meldung/Calliope-mini-fuer-Schulen-Geschenk-oder-Lobbyismus-3867025.html
Calliope mini auf golem.de
https://www.golem.de/news/calliope-mini-mikrocontroller-board-fuer-deutsche-schueler-angekuendigt-1610-123744.html
Calliope mini auf Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Calliope_mini
Calliope mini im Tagesspiegel
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/minicomputer-calliope-grundschueler-sollen-programmieren-lernen/19221682.html
Calliope mini auf mint-zirkel.de
http://www.mint-zirkel.de/2017/09/spielerisch-programmieren-lernen-mit-open-roberta-und-dem-calliope-mini/

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